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Warum Kap Verdes Erste Liga erst um 16 Uhr trainiert

In Kap Verdes höchster Spielklasse beginnt das Training erst um 16 Uhr. Nicht aus taktischen Gründen, sondern weil die meisten Spieler vorher einen ganz normalen Arbeitstag hinter sich haben. Torhüter Vozinha, inzwischen Stammkeeper der Nationalmannschaft, hat genau diesen Alltag selbst durchlebt.

Flagside-Redaktion·Veröffentlicht ·2 MIN LESEZEIT

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Ein Land, eine Liga, zwei Leben

Kap Verde ist der Inselstaat, der 2024 bei der Copa América für Aufsehen sorgte und sich später für die WM 2026 qualifizierte, in einer Gruppe mit Spanien und Uruguay. Auf dem Papier klingt das nach einem Fußballmärchen. Auf den Inseln selbst sieht der Unterbau davon so gut wie nichts. Die Erste Liga ist semiprofessionell organisiert, und das bedeutet: Trainingszeiten richten sich nicht nach Belastungssteuerung oder Videoanalyse, sondern danach, wann die Spieler von der Arbeit kommen.

Torhüter Vozinha, der bei der Copa América 2024 zum Gesicht der kapverdischen Überraschung wurde, hat diese Realität selbst erlebt. Seine Teamkollegen bei seinem ersten Verein, Ribeira Bote, waren Elektriker, Handwerker, Landwirte. Sie standen früh auf, arbeiteten körperlich harte Jobs und kamen erschöpft zum Training. Deshalb beginnt die Einheit in Kap Verdes Erster Liga traditionell erst am späten Nachmittag, um 16 Uhr, damit niemand seinen Job aufgeben muss, um Fußball zu spielen.

Warum 16 Uhr kein Zufall ist

Das ist kein organisatorisches Detail, sondern die ökonomische Grundstruktur des Verbands. Kap Verde hat knapp eine halbe Million Einwohner, verteilt über mehrere Inseln, eine kleine Wirtschaft und keine nennenswerten TV-Einnahmen aus dem heimischen Spielbetrieb. Vereine können schlicht keine Vollzeit-Profiverträge finanzieren, die eine Mehrheit des Kaders ernähren würden. Wer trotzdem Fußball spielen will, muss das neben einem anderen Beruf tun, der tatsächlich das Haushaltseinkommen sichert.

Vozinha selbst gehörte zu den wenigen Ausnahmen. Er bezeichnet sich als einen der "Privilegierten", die von ihrem Gehalt als Fußballer tatsächlich leben konnten, ohne einen zweiten Job. Zu Beginn seiner Karriere lag sein Monatslohn beim damaligen Mindestsatz, in seinen besten Jahren stieg er auf einen Betrag, der ihm finanzielle Unabhängigkeit gab, aber keine Sicherheit für die Zukunft. Parallel drückte er noch die Schulbank und spielte nebenbei Basketball und Volleyball, bevor der Fußball alles andere verdrängte.

Der Plan B, der nie gebraucht wurde

Genau diese Unsicherheit ist der Grund, warum praktisch jeder Spieler in Kap Verdes Liga einen Plan B braucht, und die meisten ihn auch aktiv leben, nicht nur in der Schublade haben. Vozinha wollte Architekt werden und hat lange mit dem Gedanken an ein Studium gespielt. Am Ende hat der Fußball gewonnen, aber das war für ihn keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung gegen eine zweite Ausbildung.

Dass ein Nationaltorhüter, der später gegen Spanien und Uruguay im Kasten steht, aus einer Liga kommt, in der die Mehrheit der Mitspieler nach der Feldarbeit zum Training erscheint, zeigt, wie groß die Kluft zwischen kapverdischem Amateurfußball und internationaler Bühne tatsächlich ist. Es erklärt auch, warum der Überraschungserfolg bei der Copa América 2024 und die WM-Qualifikation keine logische Fortsetzung eines gut finanzierten Unterbaus waren, sondern eher das Gegenteil: ein Ergebnis trotz der Rahmenbedingungen, nicht wegen ihnen.

Die familiäre Verantwortung dahinter

Für Vozinha persönlich kam zur sportlichen noch eine familiäre Last hinzu. Sein Vater ging zum Studium nach Portugal, seine Mutter arbeitete als Haushälterin. Vozinha beschreibt sich selbst als denjenigen, der in dieser Konstellation zum "Mann im Haus" wurde, der mit seinem ersten Gehalt Wasser-, Strom- und Internetrechnungen bezahlte. Fußball war für ihn nie nur Sport, sondern von Anfang an auch ökonomische Überlebensstrategie für die ganze Familie, genau wie für viele seiner Teamkollegen, die nach Feierabend noch zum Training um 16 Uhr erscheinen.

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In Kap Verdes höchster Spielklasse beginnt das Training erst um 16 Uhr. Nicht aus taktischen Gründen, sondern weil die meisten Spieler vorher einen ganz normalen Arbeitstag hinter sich haben.

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