
Wie Valencia so tief fallen konnte
Valencia CF stand vor der Jahrtausendwende zweimal im Champions-League-Finale. Heute kämpft der Klub gegen den ersten Abstieg seit 1985. Der Absturz hat einen Namen, einen Besitzer und eine Baustelle, die nie fertig wird.
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Vom Königsklassen-Dauergast zum Abstiegskandidaten
Wer sich an Valencia aus den frühen 2000ern erinnert, denkt an eine Mannschaft, die mit Gaizka Mendieta, Pablo Aimar und Santiago Cañizares den großen Klubs Europas das Fürchten lehrte. Heute denkt man an Proteste in Mestalla, an Trainer, die nach wenigen Wochen entlassen werden, und an eine Tabelle, in der Valencia nach unten schaut statt nach oben. Dass ausgerechnet dieser Klub um den Klassenerhalt zittert, ist keine Laune einer Saison. Es ist das Ergebnis von über einem Jahrzehnt Mismanagement.
Die zwei Finals, die alles änderten
2000 und 2001 stand Valencia zweimal in Folge im Champions-League-Finale, verlor beide Male: erst gegen Real Madrid, dann im Elfmeterschießen gegen Bayern München. Es war die goldene Zeit des Klubs, unter Héctor Cúper und später Rafael Benítez folgten sogar zwei spanische Meistertitel und ein UEFA-Cup-Triumph. Valencia gehörte für ein paar Jahre fest zur europäischen Spitze, als ernstzunehmender Gegenspieler zu Real Madrid und Barcelona. Genau dieser Kontrast macht den heutigen Zustand so bitter.
Peter Lim und das Verkaufs-Prinzip
Seit 2014 gehört Valencia dem singapurischen Geschäftsmann Peter Lim. Unter seiner Führung wurde der Verkauf der eigenen besten Spieler fast zum Geschäftsmodell. Schon vor Lims Zeit hatte der Klub Juwelen wie David Villa, David Silva und Juan Mata abgegeben, um die eigenen Finanzen zu stabilisieren, unter Lim setzte sich dieses Muster fort: kaum etabliert sich ein Spieler als Leistungsträger, wird er zu Geld gemacht. Die Fans werfen dem Besitzer seit Jahren vor, den Klub nicht als Fußballprojekt, sondern als reines Investment zu behandeln, mit sportlichem Ehrgeiz irgendwo weit unten auf der Prioritätenliste.
Mestalla als Dauerbaustelle
Sinnbild für diesen Zustand ist das eigene Stadion. Der Umbau von Mestalla läuft seit Jahren, ohne dass ein Enddatum wirklich greifbar wird. Für viele Anhänger ist die halbfertige Arena das sichtbarste Symbol dafür, wie wenig in die Zukunft des Klubs investiert wird, während anderswo Gewinne eingefahren werden. Dazu kommen regelmäßige Fanproteste gegen die Vereinsführung, die längst zum festen Bestandteil der Heimspiele geworden sind.
Trainer-Karussell ohne Ende
Sportlich schlägt sich die Unruhe in einer langen Reihe von Trainerwechseln nieder. Zuletzt traf es Carlos Corberán, der seinen Posten bereits zu Beginn der Saison räumen musste, ein Alarmsignal mitten in der frühen Saisonphase. Mit dem erfahrenen Javier Aguirre hat der Klub nun erneut auf Erfahrung statt auf einen langfristigen Plan gesetzt. Aguirre kennt La Liga und kennt Drucksituationen, doch ein einzelner Trainer kann ein strukturelles Problem nicht allein lösen, das sich über Jahre aufgebaut hat.
Was wirklich auf dem Spiel steht
Valencia ist seit 1985 nicht mehr aus der ersten spanischen Liga abgestiegen. Genau dieser Rekord steht nun zur Disposition, und er wäre weit mehr als eine statistische Fußnote. Ein Klub, der zweimal im Finale der Königsklasse stand, der spanischer Meister war und europäische Pokale gewonnen hat, würde in die zweite Liga eines Landes abrutschen, das er einst mitgeprägt hat. Die Geschichte zeigt bei anderen großen Namen, wie schwer der Weg zurück sein kann, wenn die Strukturen einmal zerfallen sind. Für Valencia hängt daher an diesem Saisonende weit mehr als nur ein Punktestand, es hängt daran, wie tief ein Klub mit dieser Historie noch fallen kann, bevor sich etwas grundlegend ändert.
Schafft Valencia den Klassenerhalt oder geht es erstmals seit 1985 runter?
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