
Warum bekommen Fußballer O-Beine?
Warum bekommen Fußballer O-Beine?
Man kennt das Bild: Ein Spieler steht in der Mauer, die Hose spannt, und zwischen den Knien klafft eine deutliche Lücke, obwohl die Füße nebeneinanderstehen. O-Beine gehören für viele fast zum Berufsbild des Fußballers dazu.
Steht ein Profi mit geschlossenen Füßen da, etwa beim Anstoß oder in der Mauer vor einem Freistoß, bleibt zwischen den Knien oft ein sichtbarer Abstand. Die Beinachse macht einen Bogen nach außen, statt gerade zu verlaufen. Genau dieses Bild fällt bei Fußballern besonders häufig auf.
Die Ursache ist zum größten Teil genetisch. O-Beine kommen in der Bevölkerung ganz allgemein vor, auch bei Menschen, die nie einen Ball berührt haben. Wer die Veranlagung in den Genen trägt, bekommt die krumme Beinachse unabhängig vom Sport. Fußball erzeugt das Phänomen also nicht, er macht es nur sichtbarer, weil kurze Hosen und Stutzen die Beine freilegen und Zeitlupen-Nahaufnahmen jede Kontur zeigen.
Ein zweiter Faktor wird häufig diskutiert: intensives Fußballtraining im Kindesalter. Die Vermutung dahinter ist simpel. Wer schon als Bub oder Mädchen jahrelang mit hoher Belastung dribbelt, schießt und sprintet, könnte damit die noch wachsenden Knochen und die Beinachse formen. Kinderknochen sind weicher und reagieren empfindlicher auf wiederkehrende Belastung als die eines Erwachsenen. Ein früher Karrierestart im Nachwuchsbereich fällt zudem oft genau in die Phase, in der sich die Beinachse noch entwickelt.
Belegt ist dieser Trainingseffekt aber nicht eindeutig. Es gibt keine klare wissenschaftliche Bestätigung, dass Fußballtraining allein O-Beine verursacht. Genetik und Sport lassen sich in der Praxis kaum sauber trennen, weil viele Profis ohnehin aus Familien mit entsprechender Veranlagung stammen und gleichzeitig früh mit intensivem Training beginnen. Am Ende bleibt die Vermutung eine Vermutung, kein belegter Mechanismus.
Der Punkt, den viele Fans nicht auf dem Schirm haben: O-Beine sind kein exklusives Fußball-Phänomen. Sie treten in der Allgemeinbevölkerung ganz normal auf, bei Bürokräften genauso wie bei Marathonläufern. Dass man sie im Fußball häufiger wahrnimmt, liegt auch daran, dass Spielerbeine ständig im Bild sind, in kurzen Hosen, bei Zweikämpfen, bei Standardsituationen. Ein Bankangestellter mit derselben Beinachse fällt im Alltag schlicht niemandem auf.
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