Photo: User:Responsible? via Wikimedia Commons (Public domain)
Der ungeliebteste Spieler der Premier-League-Geschichte?
Es gibt Spieler, die einen Klub verlassen und trotzdem in guter Erinnerung bleiben. Michael Owen ist das genaue Gegenteil davon. Der ehemalige englische Nationalstürmer hat eine seltene Fähigkeit bewiesen: Er hat es geschafft, bei so gut wie jedem Verein seiner Karriere die Fans gegen sich aufzubringen. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Karriere voller Entscheidungen, die Loyalität konsequent hintenanstellten.
Liverpool: Der Verrat, der alles begann
Für die meisten Fußballfans ist Owen zunächst ein Liverpooler. Er kam als Teenager, traf in einem WM-Achtelfinale gegen Argentinien mit einem der berühmtesten Soli der englischen Geschichte und gewann mit den Reds den FA Cup, den League Cup und den UEFA Cup in einer Saison. Das war die Grundlage.
Dann kam Real Madrid. Der Wechsel an sich war für Liverpool-Fans schon schwer zu schlucken, aber es war das, was danach kam, das den Schaden anrichtete. Owen kehrte nicht nach Liverpool zurück, als Real ihn ziehen ließ. Er ging zu Newcastle United. Für die Anfield-Kurve war das eine Absage, die saß.
Das Schlimmste folgte noch: Als sein Vertrag bei Newcastle auslief, unterschrieb Owen bei Manchester United. Für Liverpool-Fans gibt es kaum etwas Schlimmeres. Der Junge, den der Klub groß gemacht hatte, lief plötzlich in Rot auf, aber im falschen Rot.
Real Madrid: Zu wenig, zu verletzt, zu egal
In Madrid lief es sportlich nie so, wie es sich alle vorgestellt hatten. Owen bekam nicht die Einsatzzeiten, die er sich erhofft hatte, und als er sie bekam, fehlte die Konstanz. Die Madrider Fans hatten nie eine echte Bindung zu ihm aufgebaut, und als er den Klub verließ, war die Reaktion vor allem: Schulterzucken.
Das ist in gewisser Weise fast schlimmer als aktiver Hass. Owen hinterließ in Madrid keinen Eindruck, der es wert gewesen wäre, ihn zu vermissen.
Newcastle: Geld statt Gefühl
Newcastle United ist ein Klub, der Loyalität fast schon religiös behandelt. Die Fans auf St. James' Park erwarten, dass ein Spieler die Leidenschaft erwidert, die sie selbst mitbringen. Owen kam, kassierte ein üppiges Gehalt, war verletzungsanfällig und zeigte nie, dass ihm der Klub wirklich am Herzen lag. Als er dann zu Manchester United wechselte, war das für die Geordie-Nation die Bestätigung: Er war nie wirklich einer von ihnen.
Manchester United: Der Joker, der nicht zündete
Bei United war Owen nie mehr als eine Randnotiz. Er traf gelegentlich, blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück. United-Fans, die ohnehin skeptisch gegenüber einem Ex-Liverpooler waren, hatten nie einen Grund, ihn ins Herz zu schließen. Als er den Klub verließ, war die Erleichterung auf beiden Seiten spürbar.
Stoke City: Das Ende, das keiner sehen wollte
Owen beendete seine Karriere in Stoke, was für sich genommen schon ein Statement ist. Nicht weil Stoke ein schlechter Verein ist, sondern weil es der endgültige Beweis war, dass die große Karriere längst vorbei war. Auch dort hinterließ er keinen bleibenden Eindruck.
Was macht dieses Phänomen so selten?
Das Besondere an Owen ist nicht, dass er einen Klub verärgert hat. Das passiert ständig: Spieler wechseln, Fans sind enttäuscht, das Leben geht weiter. Was Owen einzigartig macht, ist die Vollständigkeit. Es gibt keinen Verein in seiner Karriere, bei dem eine echte, warme Erinnerung geblieben ist. Liverpool hasst ihn wegen United. Newcastle hasst ihn wegen Liverpool und United. United-Fans mochten ihn nie richtig. Madrid hat ihn vergessen.
Das ist das Ergebnis einer Karriere, in der sportliche Entscheidungen immer wieder so wirkten, als würden sie ohne Rücksicht auf Gefühle getroffen, weder die eigenen noch die der Fans. Owen war kein böser Mensch, aber er war ein Spieler, der die emotionale Dimension des Fußballs konsequent unterschätzte.
Die meisten Spieler, die einen großen Klub verlassen, hinterlassen wenigstens irgendwo einen Stein, auf dem steht: Hier war er glücklich. Bei Owen sucht man diesen Stein vergeblich.
Der Fußball des Tages, um 7 Uhr in deinem Postfach. Sonst nichts.
Die Highlights der Nacht, was das Transferfenster macht und die eine Kolumne, die du heute lesen solltest. Keine Ads. Keine Tipps. Keine Operator.
Ein-Klick-Abmeldung. Wir geben deine E-Mail nicht weiter.


Comments
Loading comments…