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Aílton bei Beşiktaş: Die fast vergessene Episode

Wer an Aílton denkt, sieht Bremen, die Meisterschale 2004, die Torjägerkanone. Kaum jemand erinnert sich an die gut sechs Monate, die er direkt danach bei Beşiktaş Istanbul verbrachte – ein Engagement, das mit einem Tor gegen Bolton begann und mit einem gescheiterten Fluchtversuch zum Flughafen endete.

Flagside-Redaktion·Veröffentlicht ·2 MIN LESEZEIT

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Ein teurer Transfer, ein kurzer Einsatz

Nach seinem Abgang von Schalke 04 im Sommer 2005 sicherte sich der türkische Spitzenklub Beşiktaş Istanbul für 3,5 Millionen Euro die Rechte an Aílton. Es war, auf dem Papier, ein großer Coup für den Verein: ein frischgebackener Bundesliga-Torschützenkönig und Deutschlands Fußballer des Jahres 2004 sollte den Sturm verstärken. Im Oktober 2005 traf Aílton in der Gruppenphase des UEFA-Pokals gegen die Bolton Wanderers – ein Achtungserfolg, der seine Form andeutete.

Doch der Aufenthalt am Bosporus sollte keine sechs vollen Monate dauern, bevor er faktisch beendet war. Im Dezember 2005 wurde Aílton für die weiteren Spiele aus dem Kader gestrichen. Der Auslöser: Nach einem Kreislaufkollaps war er nicht für die Startelf berücksichtigt worden, woraufhin er einen Fluchtversuch in Richtung Brasilien unternahm. Beşiktaş-Manager Mehmet Eksi konnte ihn noch am Flughafen aufhalten.

Verbannt, zurückgeholt, wieder verbannt

Die Wochen danach waren von Unsicherheit geprägt. Weil Aílton während der Winterpause keinen neuen Verein fand – er hätte gern wieder in der Bundesliga gespielt –, kehrte er im Januar 2006 zunächst an den Bosporus zurück. Erst eine Woche vor Schluss der Winter-Transferliste verpflichtete ihn der Hamburger SV auf Leihbasis bis zum 30. Juni 2006, für eine geschätzte Leihsumme von 450.000 Euro. Die Hamburger zahlten ihm ein Monatsgehalt von 55.000 Euro netto plus 10.000 Euro netto pro Bundesligaspiel und sicherten sich eine Kaufoption über rund 1,75 Millionen Euro – eine Option, die der HSV am Saisonende jedoch nicht zog.

Auch nach seiner Rückkehr aus der Türkei blieb Aílton bei Beşiktaş aus dem Kader verbannt, musste aber weiterhin zweimal täglich im Einzeltraining ran, während er für den HSV auflief. Beim HSV erzielte er trotz eines Unterkieferbruchs, den er sich im Februar 2006 gegen Hannover 96 zuzog, noch drei Treffer, ehe die Leihe im Sommer endete.

Eine Fußnote mit Titel

Formal gewann Aílton mit Beşiktaş sogar den türkischen Pokal 2006 – allerdings nur, weil er in der Hinrunde noch zum Kader gehört hatte, bevor der Konflikt eskalierte. Es ist diese Mischung aus sportlichem Achtungserfolg, menschlichem Drama und bürokratischer Verstrickung zwischen drei Vereinen, die das Beşiktaş-Kapitel so vergessen macht: zu kurz, um in Erinnerung zu bleiben, zu turbulent, um es einfach zu erzählen. Zwischen seinem Bremer Triumph und seinen späteren Stationen in Serbien, der Schweiz und der Ukraine verschwindet dieser Winter fast vollständig aus der öffentlichen Erzählung seiner Karriere – dabei war er einer der dramatischsten Abschnitte überhaupt.

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