
Warum haben Fußballer Löcher in den Stutzen?
Warum haben Fußballer Löcher in den Stutzen?
Kameras zoomen ran, und plötzlich sieht man es: ein kleiner Schlitz im Stutzen, meist hinter dem Knie. Kein Fabrikfehler, sondern Handarbeit des Spielers selbst.
Nahaufnahme beim Einwurf oder in der Ecke: Ein Spieler zieht den Stutzen kurz nach oben, und im Fernsehbild blitzt ein kleines Loch auf, meist in der Kniekehle, manchmal seitlich an der Wade. Kein Materialfehler, keine Beschädigung im Spiel – das Loch war schon vorher da, reingeschnitten mit der Schere in der Kabine oder zu Hause.
Der Grund ist simpel: Die engen Stutzen, die heute fast jeder Profi trägt, drücken. Sie sind bewusst als Kompressionsware geschnitten, damit sie eng an der Wade anliegen und den Muskel stützen. Genau diese Enge wird für manche Spieler an bestimmten Stellen unangenehm – meistens dort, wo Kniekehle oder Achillessehne sitzen. Ein kleiner Schnitt an dieser Stelle nimmt den Druck raus, ohne dass der Stutzen insgesamt seine Passform verliert.
Moderne Spielkleidung ist eng geschnitten wie eine zweite Haut, das gilt fürs Trikot genauso wie für die Stutzen. Was beim Sprint oder Antritt Vorteile bringt, weil nichts flattert oder verrutscht, kann bei empfindlichen Spielern zu Scheuerstellen oder einem Engegefühl führen, das während neunzig Minuten nervt. Statt eine Nummer größer zu tragen und die Passform am restlichen Bein zu verlieren, greifen manche lieber zur Schere und schaffen sich punktgenau Platz.
Eine offizielle Regel dazu gibt es nicht. Es ist eine Angewohnheit, die von Spieler zu Spieler weitergegeben wurde – der eine hat es bei einem Kollegen in der Kabine gesehen, für gut befunden und selbst übernommen. Bei manchen Teams schneiden inzwischen die Zeugwarte die Stutzen schon vor dem Spiel passend zu, wenn sie wissen, dass ein Spieler das ohnehin so haben will. Andere Profis tragen ihre Stutzen dagegen komplett unversehrt und stört die Enge überhaupt nicht.
Interessant ist, dass sich das Loch fast immer an derselben Stelle findet, egal bei welchem Spieler: hinten am Bein, dort wo das Knie beim Beugen den Stoff am stärksten spannt. Wer öfter genau hinschaut, erkennt schnell ein Muster – die Löcher sitzen selten vorne am Schienbein, wo der Schoner sowieso Platz braucht, sondern fast immer dort, wo Bewegung und enger Stoff am meisten aufeinandertreffen.
Am Ende ist es also weder Zufall noch Show, sondern ein kleiner praktischer Trick gegen ein reales Problem: Kompressionskleidung, die eng sitzen soll, aber nicht überall gleich eng sitzen darf, wenn neunzig Minuten plus Verlängerung anstehen. Wer selbst mal enge Sportsocken getragen hat und genau an der Kniekehle das Ziehen kennt, versteht sofort, warum manche Profis lieber selbst zur Schere greifen, statt den ganzen Abend damit zu kämpfen.
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