
Warum haben Fußballer O-Beine?
Warum haben Fußballer O-Beine?
Wer Profis in der Kabine oder beim Aufwärmen beobachtet, sieht es sofort: Knie, die nach außen weichen, Unterschenkel, die eine leichte Kurve beschreiben. O-Beine sind im Profifußball keine Ausnahme – sie sind fast die Regel.
Ein Nachwuchsspieler, acht oder neun Jahre alt, steht auf dem Trainingsplatz und schießt Dutzende Bälle gegen die Wand. Knie leicht gebeugt, Gewicht auf dem Standbein, Schussbein im Schwung. Das passiert nicht einmal, sondern hunderte Male pro Woche – über Jahre.
Genau in dieser Phase sind die Knochen noch formbar. Die Wachstumsfugen sind offen, das Skelett reagiert auf Belastung. Wer in diesem Alter intensiv trainiert, gibt seinen Knochen eine Richtung vor – und die zeigt beim Fußball häufig nach außen.
Das Ergebnis ist eine sogenannte Varusstellung: Die Knie weichen nach außen, die Unterschenkel beschreiben einen leichten Bogen. Im Alltag nennt man das O-Beine. Bei Profifußballern ist diese Stellung so verbreitet, dass sie fast zum Berufsbild gehört.
Der Grund liegt in der Kombination aus Laufen, Abbremsen und Schießen. Jede dieser Bewegungen belastet Knie und Unterschenkel auf eine bestimmte Art – und zwar immer wieder, immer in dieselbe Richtung. Über Jahre formt diese Dauerbelastung die Knochen mit. Was in der Wachstumsphase beginnt, bleibt im Erwachsenenalter erhalten: Die Knochen sind dann längst hart, die Form aber schon festgelegt.
Dazu kommt die Genetik. Wer von Natur aus zur O-Bein-Stellung neigt, verstärkt diese Tendenz durch intensives Training. Wer von Natur aus gerade Beine hat, ist weniger anfällig – auch wenn er täglich auf dem Platz steht. Training und Veranlagung arbeiten hier zusammen, nicht gegeneinander.
Das erklärt auch, warum nicht jeder Hobbykicker O-Beine bekommt. Wer mit zwölf anfängt, zweimal pro Woche zu kicken, setzt seinen Knochen eine andere Belastung aus als jemand, der mit fünf ins Akademietraining einsteigt und dort täglich schuftet. Die Intensität und der Zeitpunkt entscheiden – nicht der Fußball an sich.
Der weniger bekannte Teil: O-Beine müssen kein Nachteil sein. Viele Profis spielen jahrzehntelang auf höchstem Niveau, ohne dass die Beinstellung sie bremst. Problematisch wird es erst, wenn die Fehlstellung so ausgeprägt ist, dass Kniegelenke dauerhaft ungleichmäßig belastet werden – dann steigt das Risiko für Knorpelschäden im Laufe der Karriere.
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