
Warum laufen Fußballer mit Kindern an der Hand ein?
Warum laufen Fußballer mit Kindern an der Hand ein?
Vor jedem Anpfiff das gleiche Bild: Ein Profi hält ein Kind an der Hand, gemeinsam laufen sie aus dem Tunnel ins Stadion. Wer da wirklich neben wem geht, wissen die wenigsten.
Der Kapitän beugt sich runter, nimmt die Hand eines Kindes, das im Mini-Trikot fast im eigenen Schatten verschwindet. Ballkinder, Fahnen, Blitzlicht – und mittendrin diese kleine Hand in der großen. Das Bild läuft bei jedem Spiel, in praktisch jeder Liga, und wirkt jedes Mal, als wäre es Familie.
Ist es meistens nicht. Die Kinder, die da einlaufen, sind in der Regel nicht die eigenen Söhne oder Töchter der Spieler, sondern ausgewählte Fans oder Kinder aus offiziellen Einlaufprogrammen der Vereine und Ligen. Der Fachbegriff dafür lautet Einlaufkinder, und dahinter steckt kein Zufall, sondern ein durchgeplantes Konzept.
Das Ganze ist im Kern ein Sponsoring- und Marketingformat. Vereine und Ligen verkaufen oder verlosen die Plätze, oft in Zusammenarbeit mit Sponsoren, die ihren Namen aufs Trikot der Kinder drucken lassen. Für den Verein ist es eine zusätzliche Werbefläche direkt im Stadion-Tunnel, für den Sponsor ein Bild mit hohem Sympathiewert, und für die Familie ein Erlebnis, das man nicht kaufen kann, ohne genau dieses Programm zu kennen.
Gleichzeitig soll der Brauch etwas transportieren, das über Werbung hinausgeht: Fair Play. Die Geste, dass ein millionenschwerer Profi ein fremdes Kind an die Hand nimmt und mit ihm gemeinsam den Rasen betritt, soll zeigen, dass der Sport trotz allem Kommerz noch für etwas Größeres steht – für Werte, für Vorbildfunktion, für einen Moment, der nichts mit dem Ergebnis zu tun hat. Ob das gelingt, hängt von der Perspektive ab, aber die Absicht dahinter ist genau das.
Für die Kinder selbst ist es meist der Höhepunkt eines Fußballjahres, unabhängig davon, was auf dem Feld danach passiert. Sie bekommen ein eigenes Trikot, laufen durch den Spielertunnel, stehen für die Hymne neben ihrem Idol und nehmen ein Erlebnis mit, das sie nicht selbst organisiert haben. Genau darin liegt der zweite Zweck des Programms: Es soll den Kindern etwas Unvergessliches bieten, das sie sich normalerweise nicht erkaufen könnten.
Wie man an einen dieser Plätze kommt, ist von Verein zu Verein unterschiedlich. Häufig laufen Gewinnspiele über die sozialen Kanäle der Klubs, manchmal sind es feste Kontingente für Vereinsmitglieder oder Partnerorganisationen, manchmal Aktionen von Sponsoren, die Tickets samt Einlaufplatz verlosen. Ein einheitliches System gibt es nicht, jeder Klub und jede Liga handhabt die Auswahl nach eigenen Regeln.
Wer also beim nächsten Spiel sieht, wie ein Nationalspieler mit einem Kind an der Hand einläuft, sieht in den seltensten Fällen Vater und Kind. Es ist eher ein kleiner Fan, der über ein Programm ausgewählt wurde, für einen Abend Teil des großen Auftritts sein darf – und ein Bild liefert, das Verein, Sponsor und Familie gleichermaßen gefällt.
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