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Kann eine Fan-Community wirklich einen Klub kaufen?

Die Rechnung klingt erstmal charmant: 5.000 Leute zahlen 50 Euro, fertig ist der eigene Klub. Nur: Fußball funktioniert nicht wie eine Kickstarter-Kampagne, und genau daran ist ein fast identisches Projekt schon einmal gescheitert.

Flagside-Redaktion·Veröffentlicht ·2 MIN LESEZEIT

Mit KI geschrieben und vor der Veröffentlichung automatisch geprüft. So arbeiten wir

Die Idee ist nicht neu, sie ist 2008 schon einmal passiert

Eine große Online-Community kauft einen echten Klub, jeder bekommt eine Stimme, die Fans entscheiden über Aufstellung und Transfers: Das gab es tatsächlich schon. 2008 übernahm die Initiative MyFootballClub den englischen Siebtligisten Ebbsfleet United, finanziert von tausenden Mitgliedern, die online über Kader und Taktik abstimmen durften. Der Klub gewann sogar einen Pokal. Trotzdem zerfiel das Projekt innerhalb weniger Jahre: Die Mitgliederzahlen bröckelten, das operative Geld reichte nicht, und am Ende musste der Klub an einen einzelnen Investor verkauft werden. Das ist die Blaupause, an der sich jede neue Version dieser Idee messen lassen muss, und sie ist keine Erfolgsgeschichte.

Ein Klub kostet mehr als der Kaufpreis

250.000 Euro klingen nach viel Geld, bis man sie neben die laufenden Kosten eines Profiklubs legt. Gehälter, Stadionmiete oder -unterhalt, Trainerstab, medizinische Abteilung, Reisekosten, Ligagebühren, Nachwuchsarbeit: Das alles läuft weiter, Monat für Monat, unabhängig vom Kaufpreis. Selbst in unterklassigen spanischen oder portugiesischen Ligen reicht eine einmalige Summe in dieser Größenordnung in der Regel nur, um den Laden kurzzeitig am Laufen zu halten, nicht um ihn wettbewerbsfähig zu machen. Fällt die Einnahmequelle weg, etwa weil ein Teil der 5.000 Unterstützer nach einem Jahr das Interesse verliert, steht der Klub sofort wieder am Abgrund.

Demokratie und Profifußball vertragen sich schlecht

Ein Verein, an dem 5.000 oder 50.000 Menschen gleichberechtigt mitentscheiden sollen, braucht Strukturen, die genau das Gegenteil von schnellen Fußball-Entscheidungen sind. Transferfenster schließen in Stunden, nicht in Wochen voller Abstimmungsrunden. Spielertausch, Trainerwechsel, Budgetfreigaben: All das muss ein Verwaltungsrat oder eine Geschäftsführung entscheiden können, ohne auf ein digitales Voting von Zehntausenden zu warten. Echte fanorientierte Modelle wie die 50+1-Regel in Deutschland oder die Mitgliederstruktur bei Klubs wie dem FC St. Pauli funktionieren deshalb anders: Mitglieder wählen einen Vorstand und Kontrollgremien, sie stimmen nicht über jede operative Entscheidung einzeln ab. Genau dieses Delegationsprinzip fehlt in der Idee einer Massen-Community mit Gleichstimmrecht für alle, und ohne es kollabiert die Entscheidungsfähigkeit binnen Wochen.

Das Scouting-Argument hält der Praxis nicht stand

Die Vorstellung, man könne über ein eigenes Netzwerk gezielt unterbewertete Spieler in Ländern mit schwächerer Scouting-Infrastruktur finden und darüber ein Selbstläufer-Projekt im Stil von Moneyball bauen, klingt gut, ignoriert aber, wie der Markt heute funktioniert. Große Klubs in Portugal, Belgien oder den Niederlanden leben längst genau von diesem Geschäftsmodell, mit professionellen Scouting-Abteilungen, Datenanalysten und jahrzehntelangen Kontakten in Südamerika und Afrika. Ein neu gegründetes Fan-Konstrukt ohne Infrastruktur, ohne etablierte Berichterstattungswege und ohne rechtssichere Vertragsabwicklung in den Zielmärkten hat gegen diese Konkurrenz keine realistische Chance, zumal Transferrecht, Arbeitserlaubnisse und internationale Spielerverträge selbst für etablierte Vereine komplex genug sind.

Was tatsächlich funktioniert

Fananteile und Mitgliedschaften gibt es, und sie funktionieren, aber in anderer Form: als Vereinsmitgliedschaft mit Stimmrecht bei Vorstandswahlen, als kleine Aktienpakete bei börsennotierten Klubs, oder als Unterstützung bestehender, bereits etablierter fangeführter Vereine. Was nicht funktioniert, ist der Versuch, binnen weniger Monate aus einer Online-Community heraus einen eigenständigen operativen Fußballklub mit echtem sportlichen Anspruch zu errichten, finanziert von Kleinstbeträgen und gesteuert per Massenabstimmung. Die Geschichte von Ebbsfleet United zeigt, wie das endet: mit einem Pokal in der Vitrine und einem Verein, der am Ende doch wieder einem einzelnen Eigentümer gehört.

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Die Rechnung klingt erstmal charmant: 5.000 Leute zahlen 50 Euro, fertig ist der eigene Klub. Nur: Fußball funktioniert nicht wie eine Kickstarter-Kampagne, und genau daran ist ein fast identisches Projekt schon einmal…

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