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Illustration: plain scarves hung over a barrier on an empty terrace, drawn in heavy ink over halftone texture.

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Der Zehn-Yards-Mythos bei Freistößen erklärt

Der Abstand der Mauer zum Ball beträgt bei jedem Freistoß exakt 9,15 Meter, also zehn Yards, unabhängig davon, wie weit der Punkt vom eigenen Tor entfernt liegt. Das wirkt bei einem Freistoß aus 35 Metern seltsam großzügig für die verteidigende Mannschaft, ist aber schlicht die Regel des Spiels.

By Jana Richter· Transferredakteurin·Veröffentlicht ·2 MIN LESEZEIT

Die Frage, die jedem Neuling irgendwann kommt

Wer zum ersten Mal bewusst hinschaut, stolpert fast immer über dasselbe Detail: Bei einem Freistoß direkt am Strafraumrand steht die Mauer gefühlt hauchdünn vor dem Schützen. Bei einem Freistoß aus dem Mittelfeld, weit weg vom Tor, steht die Mauer aber trotzdem nur wenige Meter entfernt, obwohl das Tor selbst noch dreißig oder vierzig Meter weiter hinten liegt. Das sieht auf den ersten Blick inkonsequent aus, ist es aber nicht.

Die Regel bezieht sich auf den Ball, nicht auf das Tor

Das International Football Association Board, das die Fußballregeln schreibt, legt fest: Gegner müssen bei einem Freistoß mindestens 9,15 Meter vom Ball entfernt sein, bis dieser im Spiel ist. Der Bezugspunkt ist immer der Ball selbst, niemals das Tor. Das heißt: Egal ob der Freistoß fünf Meter oder fünfzig Meter vor dem Tor liegt, die Mauer darf nie näher als diese zehn Yards an den Ball heran, muss aber auch nie weiter zurückweichen, nur weil das Tor weit weg ist.

Der Grund dafür ist banal: Die Regel soll dem Schützen genug Platz zum Anlaufen und Schießen geben, ohne dass ihm sofort ein Bein in den Weg gestellt wird. Wie weit das Tor entfernt ist, spielt für diesen Zweck keine Rolle, der Schütze braucht in beiden Fällen dieselbe Distanz, um den Ball kontrolliert zu treffen.

Warum wirkt das bei langen Freistößen trotzdem seltsam

Bei einem Freistoß nahe der Strafraumgrenze ist die Mauer gleichzeitig auch nahe am eigenen Tor, dort wirkt jeder Meter Abstand entscheidend, weil ein direkter Schuss aufs Tor real möglich ist. Bei einem Freistoß aus dem eigenen Drittel oder der Mitte des Feldes bringt derselbe Zehn-Yards-Abstand aus Sicht des Betrachters wenig, weil ohnehin niemand von dort aufs Tor schießt. Deshalb bilden Mannschaften bei sehr weiten Freistößen häufig gar keine klassische Mauer, sondern nur ein oder zwei Spieler stellen sich locker in den Weg, um den kurzen Abspiel- oder Flankenweg zu stören. Die Zehn-Yards-Regel gilt trotzdem, sie wird nur seltener von den Schiedsrichtern mit dem Maßband durchgesetzt, weil die Konsequenz eines Verstoßes dort kaum spielentscheidend wäre.

Wo der Unterschied wirklich sichtbar wird

Bei Freistößen im letzten Drittel, insbesondere kurz vor dem Strafraum, messen Schiedsrichter den Abstand inzwischen fast immer exakt, oft mit dem Freistoßspray, das seit einigen Jahren auch bei großen Turnieren wie der WM Standard ist. Das Spray markiert sowohl die Ballposition als auch die Linie, hinter die sich die Mauer zurückziehen muss. Bei einem Freistoß aus der eigenen Hälfte kommt dieses Spray praktisch nie zum Einsatz, weil die Distanz für das Spiel schlicht irrelevant ist.

Genau das erklärt den optischen Eindruck aus dem Fernsehbild: Nahe am Tor sieht der Abstand riskant klein aus, weil dort jeder Zentimeter zählt und exakt gemessen wird. Weit vom Tor entfernt sieht derselbe Abstand großzügig aus, weil er kaum kontrolliert und selten gebraucht wird. Die Regel selbst ändert sich zwischen beiden Szenen keinen Millimeter, nur die Aufmerksamkeit, mit der sie durchgesetzt wird.

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