Photo: United Nations Office on Drugs and Crime via Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
CONCACAF dreht Infantino den Rücken zu
Ausgerechnet im Jahr der Heim-WM: CONCACAF, eine der mächtigsten Konföderationen im Weltfußball, hat in einer öffentlichen Erklärung eine formelle Aufarbeitung der Amtszeit von FIFA-Präsident Gianni Infantino gefordert. Schwarz auf weiß, öffentlich — institutioneller Druck auf Infantino.
Was CONCACAF verlangt
Laut einem Bericht des Kicker hat CONCACAF in einer offiziellen Stellungnahme eine strukturierte Überprüfung und einen Rechenschaftsprozess rund um Infantinos Führung der FIFA eingefordert. Konkrete Vorwürfe oder ein spezifischer Auslöser gehen aus der verfügbaren Quelle nicht hervor — die Konföderation hat sich bislang nicht zu den genauen Hintergründen geäußert. Ob andere Konföderationen den Schritt mitgehen, ist ebenfalls offen.
Das Besondere: CONCACAF ist kein kleiner Akteur. Die Konföderation umfasst 41 Mitgliedsverbände aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik — und ist Gastgeber der WM 2026, die in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet. Wer in diesem Moment öffentlich den FIFA-Präsidenten unter Druck setzt, tut das mit Gewicht.
Warum das so selten ist
Konföderationen, die offen gegen einen amtierenden FIFA-Präsidenten vorgehen, sind eine Rarität. Die FIFA-Governance-Architektur ist darauf ausgelegt, solche Konflikte intern zu halten — hinter verschlossenen Türen, in Komitees, auf Kongressen. Eine öffentliche Erklärung wie diese ist ein Bruch mit dem üblichen Modus. Infantino, der seit 2016 an der Spitze der FIFA steht, hat in seiner Amtszeit wiederholt Kritik auf sich gezogen — zuletzt auch durch seine Nähe zu verschiedenen Regierungen und seine Rolle bei der Expansion des WM-Formats.
Dass CONCACAF diesen Schritt ausgerechnet jetzt wählt — weniger als ein Jahr vor dem Anpfiff der WM 2026 auf eigenem Boden — ist keine Kleinigkeit. Ein FIFA-Präsident, dessen Legitimität von der Gastgeber-Konföderation öffentlich hinterfragt wird, steht vor einem Imageproblem, das sich nicht einfach wegmoderieren lässt.
Was jetzt passiert
Ob die Forderung nach Aufarbeitung konkrete Konsequenzen hat, hängt davon ab, wie viele weitere Konföderationen sich anschließen und ob die FIFA-Ethikkommission oder der FIFA-Kongress das Thema aufgreift. Zum jetzigen Zeitpunkt ist CONCACAF die einzige Konföderation, die sich laut Kicker öffentlich positioniert hat. Infantino selbst hat sich bislang nicht zu der Erklärung geäußert.
Der nächste FIFA-Kongress und der WM-Eröffnungstermin im Sommer 2026 rücken näher — und mit ihnen der Moment, an dem diese Forderung entweder Konsequenzen zeigt oder im Protokoll verschwindet.
Quellen1 Quelle
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