
Photo: Sport.de Fußball
Nagelsmanns Undav-Problem wird größer
Deniz Undav kommt rein, dreht das Spiel, geht wieder raus — und Julian Nagelsmann muss sich dieselbe Frage stellen wie schon nach dem ersten Gruppenspiel: Warum fängt dieser Mann nicht an? Zwei Tore gegen die Elfenbeinküste, wieder als Joker, wieder entscheidend. Irgendwann ist das kein Zufall mehr.
Der Joker, der keine Lust mehr auf die Bank hat
Es war das zweite WM-Gruppenspiel, und das Muster war dasselbe wie beim ersten: Deutschland braucht einen Impuls, Nagelsmann schickt Undav, Undav trifft. Gegen die Elfenbeinküste waren es gleich zwei Tore — laut Sport.de war es ein echter Wendepunkt in der Partie. Wer genau hinschaut, sieht keinen Glückspilz. Er sieht einen Stürmer, der weiß, was er tut.
Bei VfB Stuttgart hat Undav in den vergangenen Saisons bewiesen, dass er kein Fluktuationsprodukt ist. Er ist ein Knipser mit Spielverständnis — einer, der in engen Räumen atmet, wo andere ersticken. Diese Qualität macht ihn zum idealen Joker. Das Problem: Ein Joker, der zweimal hintereinander ein WM-Spiel dreht, ist eigentlich kein Joker mehr.
Nagelsmanns Rechnung geht nicht mehr auf
Die Logik hinter einer Joker-Rolle ist simpel: Du hast einen besseren Starter, und den Besten vom Bench aus bringst du, wenn der Gegner müde ist. Aber wenn der Joker konstant mehr bewirkt als der Starter — dann stimmt die Prämisse nicht mehr. Nagelsmann wird das wissen. Die Frage ist, ob er bereit ist, seine Startelf-Hierarchie öffentlich zu korrigieren.
Ein Startelf-Platz für Undav würde das Angriffsgefüge der Deutschen neu sortieren. Wer weicht? Welches System passt besser zu einem Neuner, der lieber zwischen den Linien auftaucht als auf Pässe in die Tiefe wartet? Das sind keine rhetorischen Fragen — das sind die Fragen, die Nagelsmann jetzt beantworten muss, bevor die K.o.-Runde beginnt.
Die Uhr tickt
Nach zwei Gruppenspielen mit je einem entscheidenden Joker-Auftritt ist die Debatte keine Randnotiz mehr. Sie ist das Hauptthema. Nagelsmann hat noch ein Gruppenspiel, um eine Antwort zu liefern — oder zumindest eine Andeutung. Danach gibt es keine Generalproben mehr.
Ein Trainer, der seinen heißesten Stürmer erst in der zweiten Halbzeit bringt, braucht dafür sehr gute Gründe. Nagelsmann hat bisher keine öffentlich genannt. Undav hat gegen die Elfenbeinküste allein zwei WM-Tore erzielt — beide als Einwechselspieler, beide spielentscheidend (Sport.de). Die Geduld eines Profis hat er bewiesen. Die Geduld der Fans dürfte kürzer sein.
Quellen1 Quelle
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