
Darf der Torwart einen Einwurf in die Hand nehmen?
Rückpass-Falle, nur mit Einwurf statt Fuß: Wirft ein Verteidiger seinem Keeper den Ball zu und der greift einfach zu, pfeift der Schiri. Hier steht, warum.
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Die Szene kennt jeder Stadionbesucher: Einwurf tief in der eigenen Hälfte, kein Anspiel frei, also wirft der Verteidiger den Ball flach zu seinem Torwart zurück. Der Keeper steht in seinem Strafraum, der Ball kommt an, und statt mit dem Fuß zu klären, schnappt er sich den Ball mit beiden Händen, so, wie er es bei jedem Rückpass mit dem Fuß niemals dürfte, aber hier offenbar instinktiv tut.
Darf er nicht. Ein Torwart darf einen Einwurf eines eigenen Mitspielers nicht mit der Hand aufnehmen, wenn er ihn direkt bekommt. Macht er es trotzdem, gibt es indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft, ausgeführt von der Stelle, an der der Keeper den Ball berührt hat.
Das Regelwerk ist hier erstaunlich präzise formuliert. Im Fallbeispiel der IFAB Laws of the Game heißt es wörtlich: "A goalkeeper touches the ball with the hand/arm inside their penalty area after receiving the ball directly from a throw-in taken by a team-mate. What is the referee's decision? The goalkeeper is not permitted to handle the ball, an indirect free kick is awarded to the opposing team but there is no disciplinary sanction." Zu Deutsch: Ein Torwart berührt den Ball mit Hand oder Arm im eigenen Strafraum, nachdem er ihn direkt aus einem Einwurf eines Mitspielers erhalten hat. Die Entscheidung des Schiedsrichters: Der Torwart darf den Ball nicht mit der Hand spielen, es gibt indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft, aber keine disziplinarische Maßnahme.
Die Logik dahinter ist dieselbe wie beim Rückpass mit dem Fuß: Die Regel soll verhindern, dass Mannschaften Zeit schinden, indem sie den Ball immer wieder gefahrlos zum eigenen Keeper zurückspielen und der ihn in Ruhe in die Hand nimmt. Ob der Ball über den Fuß oder über den Arm zurückkommt, spielt für den Regelgeber keine Rolle. Entscheidend ist, dass der Einwurf "direkt" beim Torwart ankommt, also ohne Berührung eines anderen Spielers oder Kontakt mit dem Boden, der die Situation neu entstehen lässt.
Der Clou steht im letzten Halbsatz der Regel, und den übersieht fast jeder: "but there is no disciplinary sanction", also keine Karte. Anders als bei manch anderem Handspiel im eigenen Strafraum bleibt diese Aktion für den Torwart folgenlos, abgesehen vom Freistoß. Keine Gelbe Karte, kein Platzverweis, selbst wenn der Keeper den Ball mitten im Zentrum des Strafraums bewusst in die Hand nimmt. Der Ball liegt einfach an der Berührungsstelle, der Gegner darf ihn ausführen. Fertig.
Der Unterschied zum Rückpass-Foul mit dem Fuß liegt also nicht in der Strafe, sondern allein im Auslöser: beim Einwurf zählt die Hand des Werfers, beim Rückpass der Fuß des Zuspielers. Fängt der Keeper stattdessen einen Einwurf, der vorher von einem Gegenspieler berührt wurde, oder kommt der Ball nicht direkt, sondern über Umwege, gilt die Einschränkung nicht mehr, dann darf er ganz normal zugreifen.
Quellen1 Quelle
IFAB Laws of the Game
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