
Photo: Sport.de Fußball
Ungeschlagen, aber nicht überzeugend: Tuchel in der Kritik
Drei Spiele, kein Gegentor, Gruppenphase überstanden – auf dem Papier läuft es für England bei der WM 2026. Und trotzdem brodelt es: Prominente englische Fußball-Ikonen haben sich mit scharfer Kritik an Nationaltrainer Thomas Tuchel zu Wort gemeldet. Das Achtelfinale gegen DR Kongo kommt da genau zum richtigen – oder zum denkbar schlechtesten – Zeitpunkt.
Ungeschlagen, aber nicht unumstritten
England hat die Gruppenphase der WM 2026 ohne Niederlage abgeschlossen. Das ist Fakt. Was ebenfalls Fakt ist: Die Leistungen haben offenbar nicht jeden überzeugt – und das nicht nur in der Fankurve, sondern auch bei Legenden des englischen Fußballs. Laut einem Bericht von Sport.de haben sich prominente englische Fußball-Ikonen öffentlich und mit deutlichen Worten gegen Tuchels Arbeit positioniert. Der Kicker bestätigt die Stimmungslage: Auch in der deutschen Fachpresse wird registriert, dass Tuchels England trotz makelloser Bilanz keine Begeisterungsstürme auslöst.
Die Kritik kommt unter anderem von Rio Ferdinand und Gary Neville – zwei der lautstärksten Stimmen im englischen Fußball. Ferdinand bemängelte laut BBC Sport die fehlende Spielidee, Neville sprach von einer Mannschaft, die "funktioniert, aber nicht fasziniert". England unter Tuchel wirkt auf viele Beobachter wie eine Mannschaft, die verwaltet statt begeistert. Ergebnisse ja, Fußball nein – dieses Spannungsfeld kennt die englische Nationalmannschaft seit Jahrzehnten, aber unter einem deutschen Trainer bekommt es noch eine zusätzliche Note.
Das klassische England-Dilemma
Es ist das ewige Paradox des englischen Fußballs: Solange gewonnen wird, ist Kritik schwer zu begründen – und trotzdem hört sie nie auf. Tuchel ist nicht der erste Trainer, dem vorgeworfen wird, die Three Lions nicht zum Strahlen zu bringen. Gareth Southgate hat vier Jahre lang dasselbe erlebt, bis ins EM-Finale 2024. Der Unterschied: Southgate war Engländer. Tuchel ist es nicht.
Das macht die Debatte pikanter. Ein Trainer, der mit Chelsea die Champions League gewonnen hat, der Bayern München und Paris Saint-Germain trainiert hat – und trotzdem muss er sich von englischen Legenden sagen lassen, dass es nicht reicht? Tuchel dürfte das kennen. Er hat es woanders auch schon erlebt.
DR Kongo: Chance oder Falle?
Das Achtelfinale gegen DR Kongo ist auf dem Papier das, was England braucht: ein Gegner, gegen den Ergebnisse und Leistungen gleichzeitig möglich sein sollten. DR Kongo hat die Gruppenphase ebenfalls überstanden – unterschätzen sollte England sie nicht. Aber wenn es je einen Moment gibt, in dem Tuchel die Kritiker zum Schweigen bringen kann, dann ist es jetzt.
Gelingt ein überzeugender Sieg – mit Tempo, Ideen, Toren – wird die Debatte zumindest vorübergehend verstummen. Gewinnt England wieder knapp und grau, wird die Diskussion lauter. Und falls es schiefgeht? Dann wird aus scharfer Kritik ein Tribunal.
England ist durch. Die Frage ist nur: Wohin führt dieser Weg – und sieht er dabei gut aus? Tuchel weiß, dass bei einer WM niemand lange auf Antworten wartet.
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