
Das Santiago Bernabéu in Madrid – hierhin verlegte CONMEBOL das Rückspiel des Copa-Libertadores-Finals 2018.
Finale in Madrid: River schlägt Boca 10.000 km von Buenos Aires
Das größte Clubspiel Südamerikas fand in Spanien statt. River Plate gegen Boca Juniors, Copa-Libertadores-Finale 2018 – ausgetragen im Santiago Bernabéu, rund 10.000 Kilometer von Buenos Aires entfernt.
Es hätte das Spiel der Spiele werden sollen: Zum ersten Mal in der Geschichte der Copa Libertadores standen sich Boca Juniors und River Plate im Finale gegenüber. Das Hinspiel im Estadio Alberto J. Armando endete 2:2 – alles offen, alles möglich.
Dann kam der 24. November 2018.
Auf dem Weg zum Estadio Monumental, dem Heimstadion von River, wurde der Mannschaftsbus von Boca Juniors von einem Teil der River-Anhänger angegriffen. Scheiben gingen zu Bruch. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Mehrere Boca-Spieler mussten ins Krankenhaus. Das Rückspiel wurde zweimal verschoben.
CONMEBOL entschied: Das Spiel verlässt Argentinien. CONMEBOL-Präsident Alejandro Domínguez bestätigte, dass das Rückspiel im Santiago Bernabéu in Madrid stattfinden würde – mit Fans beider Clubs. Beide Vereine, ihre Anhänger und führende Figuren des argentinischen Fußballs protestierten scharf dagegen.
Am 9. Dezember 2018 pfiff der Schiedsrichter im Bernabéu an.
River Plate gewann 3:1 nach Verlängerung, 5:3 im Gesamtergebnis – und holte damit den vierten Copa-Libertadores-Titel der Vereinsgeschichte. Trainer Marcelo Gallardo, der Coach des Siegers, fand danach klare Worte: „Wir spielen die Copa Libertadores 10.000 Kilometer entfernt" – und: „Eines Tages werden wir überdenken, was gerade passiert ist, und wir werden uns daran als totale Blamage erinnern."
Der Mann, der den Pokal gewann, nannte es eine Blamage. Das sitzt.
Die Verlegung hatte eine bittere Pointe. Rund 25.000 Fans jedes Clubs wurden im Bernabéu erwartet. Von den 10.000 Tickets, die für Anhänger aus Argentinien reserviert worden waren – 5.000 pro Club – verkaufte keiner der beiden Vereine sein Kontingent vollständig. Die nicht abgesetzten Karten gingen zurück an CONMEBOL.
Eine Reise von mehr als 10.000 Kilometern, mit wenigen Tagen Vorlauf, im Dezember: Das war für den Großteil beider Fanlager schlicht nicht zu stemmen. Das Finale war unter anderem damit begründet worden, dass beide Fanlager dabei sein könnten – und Tausende der dafür reservierten Karten gingen zurück.
Rund 4.000 Polizisten waren im Einsatz. Die Fans beider Clubs saßen auf den Längsseiten des Stadions nebeneinander, und es blieb ruhig. In Buenos Aires ist das seit Jahren undenkbar: Auswärtsfans sind im argentinischen Ligabetrieb seit Langem nicht zugelassen.
Argentiniens damaliger Präsident Mauricio Macri bezeichnete den Busangriff als „harten Schlag" und erklärte, er „müsse uns alle zum Nachdenken bringen".
Ein kontinentaler Titel, entschieden auf einem anderen Kontinent, in einem Stadion, das keinem der Finalisten gehört, in einem Land, in dem keiner von beiden spielt. Außergewöhnlich war es – und beide Clubs hatten bis zuletzt dagegen gekämpft.
Quellen4 Quellen
CONMEBOL, BBC Sport, ESPN, Photo: Hector Blanco de Frutos via Wikimedia Commons (CC BY 2.5)
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