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Tim Wiese: Vom Bundesliga-Tor in den WWE-Ring
Tim Wiese war einmal deutscher Nationaltorwart, DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen und ein Mann, dessen Paraden ganze Elfmeterschießen entschieden. Heute ist von alldem in seinem Alltag wenig übrig geblieben – Wiese trainierte sich einen bodybuilderhaften Körper an und stieg tatsächlich als Profi-Wrestler in den WWE-Ring.
Vom Bundesliga-Tor zur Muskelmaschine
Tim Wieses Karriere zwischen den Pfosten war lang und erfolgreich: Über Fortuna Köln und den 1. FC Kaiserslautern kam er 2005 zu Werder Bremen, wo er sich nach zwei Kreuzbandrissen zum Stammtorwart hocharbeitete, 2009 den DFB-Pokal gewann und im selben Jahr das UEFA-Cup-Finale erreichte. Mit der Nationalmannschaft stand er 2010 im WM-Kader und 2012 bei der EM auf dem Platz, wenn auch stets als Ersatzmann hinter Manuel Neuer.
Seine Zeit bei 1899 Hoffenheim endete dagegen unrühmlich: Nach anfänglicher Kapitänsbinde verlor er seinen Platz, wurde zeitweise aus dem Profikader gestrichen und trainierte zuletzt in einer eigens eingerichteten „Trainingsgruppe 2“ getrennt von der Mannschaft. 2014 wurde sein Vertrag aufgelöst – offiziell bescheinigte man ihm sogar, sein Körperbau sei durch exzessives Bodybuilding für den Profifußball inzwischen ungeeignet.
Der Sprung ins Wrestling
Genau dieser massive Muskelaufbau war es, der Wieses zweites Leben einleitete. Die WWE, die größte amerikanische Wrestling-Organisation, wurde auf ihn aufmerksam und bot ihm bereits im September 2014 einen Entwicklungsvertrag an. Wiese zögerte zunächst, ließ sich aber überzeugen: Im Juni 2016 nahm er eine Einladung von WWE-Ikone Triple H an und absolvierte ein einwöchiges Training im Performance Center in Orlando unter Anleitung von Matt Bloom.
Am 3. November 2016 stand Wiese schließlich als „The Machine“ tatsächlich im Ring – bei einem Tag-Team-Match im Rahmen einer WWE-Deutschland-Tour in der Münchner Olympiahalle, gemeinsam mit den etablierten Stars Cesaro und Sheamus gegen Primo, Epico und Bo Dallas. Das Ergebnis war choreografiert, sein Team gewann. Für weitere Auftritte hätte Wiese jedoch für drei Jahre in die USA ziehen müssen; an der folgenden Deutschland-Tour nahm er nicht mehr teil, weil er nach eigener Aussage nicht ins Storytelling der Show passte. Kurz darauf beendete er seine Wrestling-Karriere.
Fernsehen, Darts und ein kurzes Comeback
Auch abseits des Rings verlief Wieses Weg fußballfern, blieb dem Sport medial aber verbunden. Seit Januar 2016 schrieb er eine Kolumne für die Bild-Zeitung, 2017 gewann er an der Seite von Darts-Weltmeister Michael van Gerwen die von ProSieben ausgerichtete Promi-Darts-WM. Zwischen 2018 und 2024 war er zudem regelmäßig als Experte in der Sport1-Talkshow Fantalk zu Gast.
Einen kurzen, symbolischen Abstecher zurück aufs Spielfeld gab es dennoch: Im April 2017 lief Wiese für den achtklassigen SSV Dillingen in der Kreisliga Nord Schwaben auf – ein einmaliger Gefallen für einen befreundeten Vereinsvorsitzenden, kein echtes Comeback.
Heute ist Tim Wiese also weniger als Torwart in Erinnerung, sondern als der Mann, der sich vom Bundesliga-Profi zur WWE-„Machine“ verwandelte – ein Weg, den in der deutschen Fußballgeschichte kaum jemand so konsequent gegangen ist.
Quellen2 Quellen
Wikipedia (de), Wikipedia (en)
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