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Vedad Ibišević: Die eine Hinrunde und der Rest
Im Herbst 2008 stand Vedad Ibišević für ein paar Monate ganz oben in der Bundesliga: Torschützenführung, „Weltklasse“-Einstufung im Kicker, Fußballer des Monats. Ein Kreuzbandriss beendete diese Höhenphase mitten in der Saison – danach folgte eine lange, solide, aber nie wieder ganz so glänzende Karriere, die schließlich in einem Trainingskonflikt bei Schalke 04 endete.
Der Herbst, in dem alles passte
Vedad Ibišević kam über Umwege in den deutschen Fußball: geboren in Vlasenica, als Kind während des Bosnienkriegs nach Tuzla geflohen, aufgewachsen in St. Louis, entdeckt bei einem U-Länderspiel von PSG-Talentsuchern, ehe ihn der Weg über Dijon, Alemannia Aachen und schließlich zur TSG 1899 Hoffenheim führte. Mit dem Aufstieg der TSG in die Bundesliga 2008 begann seine beste Zeit. Er traf gleich am ersten Spieltag gegen Energie Cottbus, dann gegen Mönchengladbach, gegen Leverkusen, gegen Dortmund, sogar in München gegen Bayern.
In der Hinrunde 2008/09 kam Ibišević auf 18 Tore in 17 Spielen und führte damit die Bundesliga-Torschützenliste an, während Hoffenheim überraschend Herbstmeister wurde. Er wurde im Oktober 2008 zum Fußballer des Monats gewählt, nachdem er schon im August und September nominiert worden war, im November wurde er bei dieser Wahl Zweiter. Der Kicker stufte ihn nach der Hinrunde in die Kategorie „Weltklasse“ ein – eine Auszeichnung, die nur selten vergeben wird. Bei einer Internetumfrage von sport.ba wurde er mit 69 Prozent der Stimmen zum besten Fußballer Bosnien-Herzegowinas des Jahres 2008 gewählt.
Der Riss
Am 14. Januar 2009, im Testspiel gegen den Hamburger SV, riss sich Ibišević das vordere Kreuzband im rechten Knie. Die Saison war für ihn damit vorbei, die Rückrunde fiel komplett aus. Erst Ende Mai 2009 begann er wieder mit dem Training, sein erstes Pflichtspiel nach der Verletzung war ein DFB-Pokalspiel im August 2009. Beim ersten Bundesliga-Auftritt nach der Rückkehr, im September 2009 gegen Hertha BSC, gelang ihm zwar noch ein Hattrick binnen 20 Minuten – aber die Wucht der Hinrunde 2008/09, die ihn kurzzeitig zu einem der auffälligsten Stürmer Europas gemacht hatte, kehrte in dieser konzentrierten Form nie wieder zurück.
Eine lange, andere Karriere
Was folgte, war kein Absturz, sondern eine lange, ordentliche Karriere auf einem niedrigeren Level als jenem kurzen Höhepunkt. Ibišević blieb bis 2012 bei Hoffenheim, wechselte dann zum VfB Stuttgart, wo er mehrere Hattricks erzielte und seinen Vertrag zweimal verlängerte, ehe er 2015 zu Hertha BSC ging. Dort wurde er 2016 Kapitän, erzielte 2016 seine Bundesligator-Nummern 99 und 100 und spielte 2018 sein 300. Bundesligaspiel. Am Ende seiner Bundesliga-Zeit standen 127 Tore in 344 Spielen – einer der besten Werte, die je ein ausländischer Spieler in der Liga erzielt hat.
Mit der bosnischen Nationalmannschaft erlebte er 2013 einen weiteren Höhepunkt: Sein Tor in Litauen brachte Bosnien-Herzegowina zur ersten WM-Teilnahme der Landesgeschichte, bei der er 2014 gegen Argentinien auch das erste bosnische WM-Tor überhaupt erzielte.
Das Ende bei Schalke
Seine letzte Stufe als Spieler war ungewöhnlich kurz und unschön. 2020 wechselte der inzwischen 36-Jährige ablösefrei zu Schalke 04, spendete nach eigener Aussage sein Grundgehalt und wollte nur für Prämien spielen. Sportlich blieb Schalke sieglos, Ibišević geriet nach einer Niederlage im Training mit Co-Trainer Naldo aneinander – drei Tage später löste der Verein seinen Vertrag zum Jahresende auf. Der Sportvorstand Jochen Schneider sprach davon, dass es „nicht so gepasst“ habe; die WAZ wertete Ibiševićs Verhalten als „unverzeihliche Respektlosigkeit“.
Danach: die Bank statt des Platzes
2021 erklärte Ibišević sein Karriereende als Spieler und kehrte stattdessen als Co-Trainer zu Hertha BSC zurück, wo er bis Juni 2023 blieb. Danach war intern ein Wechsel in den Jugendbereich als „Toptalente-Trainer“ vorgesehen, im Februar 2024 wurde bekannt, dass er stattdessen Teil des Trainerteams von Sandro Schwarz bei den New York Red Bulls in der MLS wurde.
Hätte Ibišević ohne den Kreuzbandriss 2009 eine noch größere Karriere gemacht?
Quellen2 Quellen
Wikipedia (de), Wikipedia (en), Wikipedia (de)
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