
Grafite: Die eine Saison, die alles änderte
Im Frühjahr 2009 schoss Grafite den VfL Wolfsburg im Alleingang zur ersten Meisterschaft der Klubgeschichte und sich selbst zu Deutschlands Fußballer des Jahres. Was danach kam, war eine lange, stille Abwärtskurve über mehrere Länder bis zum Karriereende in seiner brasilianischen Heimat.
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Eine Saison wie keine andere
Grafite war schon 28 Jahre alt, als er im August 2007 am letzten Tag der Transferperiode für rund 5,6 Millionen Euro von Le Mans zum VfL Wolfsburg wechselte. Unter Felix Magath bildete er mit Edin Džeko ein Sturmduo, das in der Saison 2008/09 zusammen 54 Tore erzielte – mehr als Gerd Müller und Uli Hoeneß 1971/72 geschafft hatten. Grafite allein kam auf 28 Treffer in nur 25 Einsätzen, wurde Torschützenkönig der Bundesliga, Deutscher Meister mit Wolfsburg und am Ende der Saison mit 331 Stimmen zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt. Sein Hackentor beim 5:1 gegen Bayern München wurde zum Tor des Jahres gekürt und landete bei der erstmaligen Vergabe des FIFA-Puskás-Preises auf dem dritten Platz hinter Cristiano Ronaldo und Andrés Iniesta. Dazu kam ein Hattrick beim Champions-League-Debüt gegen ZSKA Moskau, mit dem er einer von nur sechs Spielern wurde, denen das in ihrem ersten Königsklassen-Einsatz gelang.
Der Bruch
Der folgende Sommer brachte eine Vertragsverlängerung bis 2012 – doch der sportliche Erfolg blieb aus. In der Saison nach der Meisterschaft, nach Magaths Abschied, verlief es für Grafite wie für den ganzen Verein unbefriedigend: Mit elf Toren in 30 Spielen blieb er deutlich hinter seiner Ausnahmesaison und auch hinter Džeko zurück, der doppelt so oft traf. In der Saison 2010/11 rutschte Wolfsburg nach erneutem Trainerwechsel in den Tabellenkeller ab. Nach Džekos Winterabgang lastete noch mehr Verantwortung auf Grafite, doch mit nur neun Saisontoren und einer Rettung erst am letzten Spieltag war auch diese Spielzeit enttäuschend. Nach vier Jahren beim VfL endete sein Engagement bei insgesamt 107 Bundesligaspielen und 59 Toren – eine solide, aber im Vergleich zur Meistersaison blasse Bilanz.
Die Jahre danach
2011 wechselte Grafite in die Vereinigten Arabischen Emirate zu Al-Ahli Dubai, wo er zwei Jahre vereinbarte und am Ende sogar auf 63 Tore in 79 Spielen kam, zum Landespokalsieger wurde und 2013 sowie 2014 als bester ausländischer Spieler der Liga ausgezeichnet wurde. 2015 ging es weiter nach Katar zu al-Sadd, ehe er im selben Jahr zurück nach Brasilien kehrte und sich erneut Santa Cruz FC anschloss – dem Klub, bei dem seine Karriere einst begonnen hatte. Mit Santa Cruz gelang 2016 der Aufstieg in die Série A, verbunden mit dem Gewinn der Copa do Nordeste und der Staatsmeisterschaft von Pernambuco, doch der Klub stieg prompt wieder ab. Es folgten eine kurze, erfolglose Station bei Athletico Paranaense, aus der er von sich aus ausstieg, und eine erneute, letzte Rückkehr zu Santa Cruz. Im Januar 2018 verlängerte Grafite seinen Vertrag zunächst noch einmal, widerrief dies jedoch wenige Tage später und beendete seine Karriere endgültig. Heute arbeitet er als Experte für TV Globo und SporTV.
Eine Erinnerung, die bleibt
Grafites Karriere war lang und verlief über Stationen in Brasilien, Südkorea, Frankreich, Deutschland, den Emiraten und Katar. Doch es ist diese eine Wolfsburger Saison, die bleibt: eine Spielzeit, in der ein 29-jähriger Stürmer, der einst mit dem Verkauf von Mülltüten sein erstes Geld verdiente, für einen Moment der beste Fußballer Deutschlands war.
Quellen2 Quellen
Wikipedia (de), Wikipedia (en)
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