
Warum haben Fußballer Löcher in den Stulpen?
Warum haben Fußballer Löcher in den Stulpen?
Kurz vor dem Anpfiff sitzt ein Spieler auf der Bank, zieht die Stulpe hoch und schneidet mit einer kleinen Schere ein Loch direkt über dem Knöchel. Kein Materialfehler, sondern Handarbeit.
Wer genau hinschaut, sieht es bei vielen Profis: kurz vor dem Spiel oder schon in der Kabine wird die Stulpe über den Schienbeinschoner gezogen, dann kommt die Schere zum Einsatz. Ein kleiner Schnitt, meist auf Höhe des Knöchels oder der Achillessehne, und fertig ist das Loch. Manche machen es selbst, andere lassen es sich vom Zeugwart richten.
Der Grund dafür ist simpel: Komfort. Stulpen sitzen eng, das ist ihr Job – sie sollen den Schienbeinschoner an Ort und Stelle halten. Genau an dieser Stelle, am Knöchel oder an der Achillessehne, ist die Haut aber besonders empfindlich. Drückt der Stoff hier stundenlang, während man rennt, sprintet und abbremst, wird das schnell unangenehm. Ein Loch nimmt genau diesen Druck raus, ohne dass die Stulpe ihren Sitz am Schienbeinschoner verliert.
Der eigentliche Auslöser sitzt meist eine Etage höher: das Tape. Viele Spieler fixieren ihre Schienbeinschoner nicht nur mit der Stulpe, sondern zusätzlich mit Klebeband, das um Schoner und Bein gewickelt wird. Das hält bombenfest – schiebt aber auch mehr Material und mehr Spannung genau in die Zone, die ohnehin schon eng sitzt. Das Loch ist die persönliche Reaktion darauf: ein kleiner Ausgleich für ein Problem, das die Spieler sich mit ihrem eigenen Klebeband-Ritual selbst schaffen.
Wichtig dabei: Das ist keine Vorschrift, keine Vorgabe von irgendeiner Seite, sondern schlicht eine individuelle Anpassung. Jeder Spieler hat seine eigene Stelle, seine eigene Schnittgröße, manche schneiden gar nicht. Es ist Gewohnheit, die sich von Kabine zu Kabine, von Spieler zu Spieler unterscheidet – so wie manche ihre Schuhe eng schnüren und andere locker.
Der Nicht-so-offensichtliche Teil dabei: Wer denkt, das Loch mache die Stulpe kaputt oder sei ein Zeichen von Verschleiß, irrt. Es ist das Gegenteil – eine bewusste, oft über Jahre eingeübte Feinjustierung am eigenen Material. Manche Spieler schneiden das Loch schon an neuen Stulpen ein, bevor sie überhaupt zum ersten Mal getragen wurden, weil sie genau wissen, wo es später drücken wird. Die Anpassung passiert also nicht als Reaktion auf Schmerzen während des Spiels, sondern vorbeugend, in der Kabine, mit der Schere in der Hand.
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