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Warum manche City-Fans den Scheich-Klub blind verteidigen

Seit die Premier League Manchester City mit mehr als 100 Anklagepunkten konfrontiert, hat sich ein Teil der Fanbase nicht nur hinter den Klub gestellt, sondern hinter Abu Dhabi als Eigentümer. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von über einem Jahrzehnt Identitätsarbeit, die Klub und Besitzer bewusst miteinander verschmolzen hat.

Flagside-Redaktion·Veröffentlicht ·2 MIN LESEZEIT

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Vom Mittelmaß zur Weltmarke in einem Zug

2008 war City ein solider, aber unauffälliger Verein ohne Titel seit Jahrzehnten. Dann kauft Sheikh Mansour, Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, den Klub und baut mit der City Football Group ein Imperium. Innerhalb weniger Jahre folgen Meisterschaften, Pep Guardiola, die Königsklasse. Für eine Generation von Fans ist der Besitzer nicht ein ferner Investor, sondern der Grund, warum sie überhaupt etwas zu feiern haben. Diese Dankbarkeit ist der Ausgangspunkt für alles Weitere.

Identitätsfusion statt reiner Markentreue

Sozialpsychologen nennen es Identitätsfusion: Wenn die eigene Identität mit der einer Gruppe so verschmilzt, dass ein Angriff auf die Gruppe wie ein Angriff auf die eigene Person wirkt. Bei vielen City-Anhängern ist diese Fusion nicht nur mit dem Klub passiert, sondern mit dem gesamten Konstrukt, das ihn möglich gemacht hat: Besitzer, Sponsoren, Staat. Kritik an Abu Dhabis Menschenrechtsbilanz oder an den mutmaßlichen Finanzverstößen wird dadurch nicht als sachliche Debatte verarbeitet, sondern als persönlicher Affront.

Der Belagerungsmythos

Parallel dazu hat sich seit Jahren eine Erzählung verfestigt, die City als Opfer einer neidischen Fußball-Etablierung zeichnet: alte Geldklubs wie Manchester United, der FC Liverpool oder der FC Arsenal hätten selbst Dreck am Stecken, würden aber nicht verfolgt, weil sie zum alten Kartell gehören. Diese Whataboutism-Logik ist bequem, weil sie jede konkrete Anklage, etwa die 115 Punkte im laufenden Verfahren, sofort in eine größere Verschwörung einbettet. Wer das glaubt, muss sich mit den Details der einzelnen Vorwürfe gar nicht mehr auseinandersetzen.

Sportwashing als Reizwort

Der Begriff Sportswashing, also der Versuch eines Staates, über Sporterfolge sein internationales Image zu polieren, ist in der Debatte um Abu Dhabi, Saudi-Arabien oder Katar inzwischen Standardvokabular geworden. Genau das macht ihn für manche Fans zum Feindbild: Wird der eigene Verein als Werkzeug eines Regimes beschrieben, fühlt sich das an wie eine Entwertung der eigenen Erfolge und der eigenen Jahre als Fan. Die Reaktion ist häufig nicht Reflexion, sondern Trotz, bis hin zur aktiven Verteidigung der politischen Verhältnisse im Herkunftsland des Eigentümers, weit über das hinaus, was mit Fußball überhaupt zu tun hat.

Warum das Verfahren die Spaltung vertieft

Das laufende Regelverfahren mit mehr als 100 Anklagepunkten gegen City ist technisch und langwierig, ein unabhängiges Gremium verhandelt seit Jahren. Genau diese Länge und Komplexität liefert Munition für beide Seiten: Kritiker sehen Verschleppung, Verteidiger sehen die Abwesenheit eines schnellen Urteils als Beleg für die eigene Unschuld. Ohne einen Schuldspruch bleibt viel Raum für Interpretation, und in diesem Raum gedeiht die aggressivste Form der Verteidigung am besten, weil sie sich nie wirklich widerlegen lässt.

Kein City-exklusives Phänomen

Ähnliche Dynamiken gab es schon bei anderen staatsnahen oder ölreichen Klubbesitzern, von Paris Saint-Germain bis zu saudischen Investitionen im Golf-Fußball. Der Unterschied bei City liegt in der Kombination aus sportlichem Dauererfolg unter Guardiola und einem seit Jahren offenen Gerichtsverfahren, das die Verteidigungshaltung ständig neu befeuert. Wer über ein Jahrzehnt Meistertitel gefeiert hat, gibt die Grundlage dafür nicht freiwillig zur Diskussion frei, selbst wenn diese Grundlage ein Staat ist.

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag behandelt ein laufendes Rechtsverfahren und wurde vor Veröffentlichung von einem Redakteur geprüft.

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Seit die Premier League Manchester City mit mehr als 100 Anklagepunkten konfrontiert, hat sich ein Teil der Fanbase nicht nur hinter den Klub gestellt, sondern hinter Abu Dhabi als Eigentümer.

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