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City acht Titel entziehen: Geht das wirklich?

Die Forderung klingt nach maximaler Härte: Manchester City soll alle acht Premier-League-Titel verlieren und zwangsabsteigen. Rechtlich und sportlich ist das aber ein anderes Spielfeld als das, auf dem der eigentliche Fall gerade verhandelt wird.

By Tobias König· Spielberichterstatter·Veröffentlicht ·2 MIN LESEZEIT

Worum es im Kern geht

Manchester City steht seit Jahren wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Financial-Fair-Play-Regeln der Premier League am Pranger. Der Klub sieht sich mit einer sehr hohen dreistelligen Zahl an Anklagepunkten konfrontiert, verhandelt vor einer unabhängigen Kommission, unabhängig von den UEFA-Sanktionen im Champions-League-Verfahren, die im Februar 2020 verhängt und noch im selben Jahr, im Juli 2020, vom CAS gekippt wurden. City bestreitet sämtliche Vorwürfe und hat das öffentlich immer wieder betont.

Die acht Titel, um die es geht

City hat seit der Übernahme durch die Abu Dhabi United Group mehrfach die englische Meisterschaft geholt, zuletzt in einer Serie, die auch die historische Triple-Saison einschließt. Genau dieser Zeitraum steht im Zentrum der aktuellen Vorwürfe, weil die Anklagepunkte Finanzjahre betreffen, die mit den Meistertiteln überlappen. Daraus leitet sich die Forderung ab: Wenn die Titel unter falschen finanziellen Voraussetzungen erzielt wurden, sollen sie weg.

Warum das trotzdem nicht automatisch passiert

Das Verfahren vor der unabhängigen Kommission ist kein Strafgericht, das öffentlich Schuldsprüche verkündet, sondern ein geschlossenes Panel, dessen Entscheidung erst am Ende veröffentlicht wird. Selbst wenn Verstöße festgestellt werden, ist ein automatischer Titelentzug oder Zwangsabstieg keine vorgesehene Standardstrafe im englischen Reglement. Die Bandbreite reicht von Geldstrafen über Punktabzüge bis zu Titelaberkennungen, aber die Premier League hat in ihrer Geschichte noch nie einen Meistertitel nachträglich aberkannt.

Der Unterschied zu Everton und Forest

Dass Punktabzüge wegen Financial-Fair-Play-Verstößen in England längst Realität sind, zeigen die Fälle von Everton und Nottingham Forest, die in jüngerer Vergangenheit während laufender Saisons Punkte abgezogen bekamen. Das war aber ein anderes Regelwerk mit anderen Schwellenwerten, und es betraf laufende Tabellenplätze, keine rückwirkende Neuschreibung von Meisterschaften aus den Vorjahren. City wird nach härteren, umfangreicheren Anklagepunkten verhandelt, aber die Blaupause für eine derart rückwirkende Radikalstrafe existiert im englischen Fußball schlicht nicht.

Was realistisch auf dem Tisch liegt

Realistischer erscheinen Szenarien zwischen hoher Geldstrafe und Punktabzug in einer künftigen Saison, kombiniert mit Auflagen für kommende Transferperioden. Ein kompletter Rückzug von acht Meisterschaften würde bedeuten, dass die Premier League rückwirkend Tabellen von zehn Jahren neu schreibt, samt Champions-League-Startplätzen, Abstiegen anderer Klubs, individuellen Rekorden und Spielerverträgen, die an diese Erfolge geknüpft waren. Das wäre ein juristisches und sportliches Novum ohne Präzedenzfall, gegen das City mit Sicherheit vor jedem verfügbaren Gremium bis zum CAS klagen würde, wie schon im UEFA-Verfahren 2020 geschehen.

Die nüchterne Antwort

Die Forderung nach komplettem Titelentzug und Zwangsabstieg ist als Ausdruck von Frust über ein Verfahren, das sich seit Jahren hinzieht, verständlich. Als realistisches Ergebnis der aktuellen Anhörung ist sie es nicht. Das englische Regelwerk kennt diese Höchststrafe schlicht nicht in der Form, und selbst ein Schuldspruch würde eher über Punktabzüge und Geldstrafen laufen als über eine rückwirkende Auslöschung von zehn Jahren Vereinsgeschichte.

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Wird City am Ende wirklich alle acht Titel verlieren?

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