
Ronaldinho bei einem offiziellen Termin im Juni 2019 – im Anzug, nicht im Trikot.
23 Tore in einem Spiel? Die Legende, die niemand belegen kann
Die Geschichte klingt perfekt: Ronaldinho, 13 Jahre alt, schießt 23 Tore in einem einzigen Spiel. Sie wird seit Jahren weiterverbreitet. Sie ist bis heute nicht verifiziert.
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Der Ursprung liegt in einem toten Link.
Die englische Wikipedia-Seite zu Ronaldinho nennt die Behauptung – 23:0, alle Tore vom späteren Weltstar – und stützt sich dabei auf einen einzigen Beleg: einen Artikel von Andy Mitten für FourFourTwo, erschienen im Januar 2006, Titel 'The Master'. Der Link führt ins Leere. Die Wayback Machine liefert nur die Interviewübersicht des Magazins, nicht den Text selbst. Wikipedias eigene Redakteure haben den Eintrag mit dem Vermerk 'Interview currently offline' markiert.
Brasilianische Archive kennen die Geschichte nicht. Recherchen bei ge.globo.com, Lance!, Terra, Gazeta Esportiva und Zero Hora ergaben nichts. Die portugiesische Wikipedia erwähnt sie mit keinem Wort. Das Museu do Futebol datiert Ronaldinhos erste nationale Medienpräsenz auf die Copa América 1999. Kein Familienmitglied ist je mit der Geschichte zitiert worden. Kein brasilianisches Faktenchecker-Projekt – weder Aos Fatos noch Lupa – hat sie je untersucht. Das bedeutet: unbewiesen, nicht widerlegt.
Ronaldinho selbst hat zweimal darüber gesprochen – und beide Male klingt es anders als die Legende.
Bei Superesportes, am 14. Dezember 2013, direkt gefragt, ob er als 13-Jähriger 23 Tore in einem Spiel erzielt habe, bestätigt er, es sei 'na época de escola' passiert – in der Schulzeit. Er nennt keinen Spielstand, keinen Gegner, keinen Verein, keine Medienaufmerksamkeit.
Bei FourFourTwo, am 7. Dezember 2015, antwortet er auf eine Leserfrage: Die gegnerischen Jungs seien „furchtbar“ gewesen, hätten nur im Sportunterricht zum Spaß gespielt, während er selbst bereits in einer Jugendmannschaft war. Er ordnet es in die fünfte Klasse ein – was in Brasilien zu jener Zeit ungefähr dem elften Lebensjahr entspricht, nicht dem dreizehnten. Er sagt, danach sei es nie wieder so einfach gewesen. Er erwähnt, der Futsal in seinen Werbespots sei erst später gekommen – „gegen richtige Gegner“.
Das Schulspiel gegen Freizeitspieler und ein 23:0 gegen einen lokalen Verein mit nationaler Medienresonanz sind zwei grundverschiedene Behauptungen. Ronaldinhos eigene Aussagen stützen nur die erste – und selbst die enthält einen unaufgelösten Widerspruch: fünfte Klasse versus 13 Jahre.
Was sich dagegen belegen lässt, ist beeindruckend genug. Er trat 1987 im Alter von sieben Jahren in Grêmios Jugendakademie ein. Sein Vater ließ ihn in stundenlangen Straßenspielen nur mit zwei Kontakten spielen – weil der Sohn lieber dribbelte als traf. Bei der U-17-Weltmeisterschaft 1997 in Ägypten trug er die Nummer 10, erzielte zwei Elfmetertore in zwei verschiedenen Spielen und legte den entscheidenden Treffer im Finale gegen Ghana auf. Am 4. März 1998 debütierte er für Grêmio in der Copa Libertadores gegen Vasco da Gama.
Im Campeonato Gaúcho-Finale am 20. Juni 1999 ließ er Dunga – Brasiliens WM-Kapitän von 1994 – mit einem Elastico und einem Chapéu über den Kopf stehen. Er war Torschützenkönig des Turniers mit 15 Treffern und hat seitdem gesagt, er habe die Aktion geplant und auf einen Grillabend gewettet, dass er sie durchzieht.
Sein erstes Tor für die Seleção fiel am 30. Juni 1999 gegen Venezuela bei der Copa América – Chapéu über den Verteidiger, Abschluss am Keeper vorbei. Beim FIFA Confederations Cup 1999 gewann er mit 19 Jahren sowohl den Goldenen Ball als auch den Goldenen Schuh, darunter ein Hattrick beim 8:2 gegen Saudi-Arabien im Halbfinale. Brasilien verlor das Finale 4:3 gegen Mexiko – die Einzelauszeichnungen bekam er ohne Siegermedaille.
Die 23-Tore-Geschichte ist nicht widerlegt. Aber sie ist auch nicht belegt. Kein Archiv, kein Zeitungsausschnitt, keine zeitgenössische Quelle stützt sie. Wer sie als Tatsache weitergibt, wiederholt einen toten Link.
Quellen3 Quellen
FourFourTwo, The Guardian, Photo: Marcos Correa/PR via Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
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